Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black - Sechmets Zorn

Sechmets Zorn

Übersetzt von Renate Warren

In Sechmets Zorn, dem 6. Band der Serie "Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black", versuchen Kate, Alex und Kairo herauszufinden, warum man sie von Luxor, ihrem Beschützer Ramses und ihrer gesamten historischen Familie ferngehalten hat. Irgend etwas muss vor sich gehen, in Luxor ist es sonst nie so ruhig, jedenfalls nicht wochenlang. Die Leute aus der Vergangenheit sind nicht so, Leute aus der Vergangenheit bleiben nie lang friedlich.

Sechmet

Zum Reinlesen

Vor ihnen auf dem Thron saß, ganz eindeutig, eine Frau königlichen Geblüts aus der Vergangenheit: sie beherrschte den Raum, sie war Herrin eines außergewöhnlichen goldenen Thrones, sie strahlte unbegrenztes Selbstbewusstsein aus, sie trug feinstes, weißes Leinen, das unterhalb der Brust mit einem Band zusammengehalten wurde. Erstmals schaute Kate sich ihr Gesicht genauer an: die Augen standen ein klein wenig zu eng, die Nase war einen Hauch zu grob. Ihr Körper aber war makellos, ihr Haar wunderschön – wobei Kate sich inzwischen fragte, ob das nicht eine Perücke war. Sie trug keine Ohrringe, keine Halskette, kein sonstiges Gold, nichts, was den Blick von ihrem Körper ablenken würde. Ihr einziges Make-up war eine schmale, schwarze Linie um die Augen, die auf ihrer dunkelbraunen Haut kaum auffiel. Höchstwahrscheinlich hatte sie das Kajal nur aufgetragen, um, wie die meisten Ägypter, die Fliegen fernzuhalten.
„Schaut auf Boden“, flüsterte Kairo, „Schatten.“
Die Gesichter weiterhin direkt auf die Königin gerichtet, oder in Alex’ Fall auf ihren Körper, scannten Kate und Alex mit den Augen den Fußboden ab. Die kaum erkennbaren Schattenfiguren, die Kairo entdeckt hatte, bewiesen, dass sie nicht allein mit der Königin waren. Bestimmt stand jemand hinter einigen der Säulen, wahrscheinlich sogar hinter allen Säulen.
„Palastwachen“, flüsterte Alex so leise er konnte. Seine Stimme wurde in dem großen Saal verstärkt und mit deutlichem Echo zurückgeworfen.

Aus: Band 6, Sechmets Zorn, Kapitel 2